Fahrradklima-Test Keyvisual grün

Fahrradklima-Test Keyvisual grün © ADFC | April Agentur

ADFC Fahrradklimatest 2020 - Münster holt auf

 

Auch wenn es zum zweiten Mal für den 1. Platz bei der heimlichen Fahrradhauptstadt Münster nicht gereicht hat, so hat sich das Ergebnis in vielen Teilen doch aufgehellt. 3,17 ist eine Verbesserung, ist aber noch weit von einem Gut entfernt.

 

230.000 Teilnehmer (NRW 60.200) haben im Herbst 2020 an der neunten Befragung zum Fahrradklima in Deutschland teilgenommen. 1.024 Städte kamen dabei in die Bewertung, was eine Rekordbeteiligung darstellt. Die Durchschnittsbewertung bundesweit mit 3,9 (Schulnote) ist völlig unbefriedigend für die Deutsche Fahrradpolitik.

Drei Kritikpunkte fielen bundesweit besonders auf:

  • 80 Prozent der Befragten finden die Radwege zu schmal
  • Für 75 Prozent sind mangelnde Falschparker-Kontrollen auf Radwegen ein Problem
  • 69 Prozent fühlen sich beim Radfahren nicht sicher

Für Münster sehen die Hauptkritikpunkte wie folgt aus.

  • Fahrraddiebstahl
  • Breite der Radwege
  • Konflikte mit Kfz
  • Mangelnde Falschparkerkontrollen auf Radwegen

Die vier besten Bewertungen sind folgende:

  • Alle fahren Fahrrad
  • Erreichbarkeit des Stadtzentrums
  • geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung
  • Wegweisung für Radfahrende

 

Der ADFC Münsterland lud am 16. März zu einer Videokonferenz die Medien und Mitarbeiter der Stadt Münster zur Erörterung des Fahrradklimatestes ein. Der Vorsitzende des ADFC Münsterland, Manfred Döpper, lobte die Fahrradförderung der letzten Zeit in Münster, was sich auch in den Zahlen widerspiegelt. Er betonte aber auch, es gibt noch viel Luft nach oben, vor allem wenn man berücksichtigt, dass der Rat der Stadt Münster einen 50 Prozent Anteil des Fahrradverkehres am täglichen Verkehrsaufkommen anstrebt.

Der Verkehrsplaner der Stadt Münster, Michael Milde, betonte: „ 3,17 als Schulnote für Münster, ist nicht unser Anspruch. Doch wir sind seit gut zwei Jahren auch Dank unseres hochmotiviertenfünfköpfigen Fahrradbüros und vielen Projekten, die teilweise schon sichtbar sind oder jetzt in die Umsetzungsphase kommen werden, auf einem sehr guten Weg.“

Gegenseitige Rücksichtnahme reicht alleine einfach nicht aus

„Auch in Münster sind die Ansprüche der Radfahrenden in den letzten Jahren gestiegen und schlagen sich im Ergebnis des Fahrradklimatests nieder – dies ist vollkommen nachvollziehbar und liegt nicht zuletzt am hohen Radverkehrsanteil auf oftmals zu schmalen Wegen. Der Hinweis auf gegenseitige Rücksichtnahme reicht alleine einfach nicht aus, um das Fahrradklima zu verbessern. Stattdessen müssen wir weiter massiv in unsere Radverkehrsinfrastruktur investieren und den Verkehrsraum umverteilen, denn nur sehr begrenzt erweiterbar. Bei unseren Fahrradstraßen, Velorouten und der Fahrradnetzplanung 2.0 sind wir auf einem guten Weg. Eine intensive Bürgerbeteiligung, wie sie derzeit und künftig bei diesen Projekten stattfindet, wird uns helfen, die Akzeptanz zu steigern und das Fahrradklima zu verbessern“, so Phillip Oeinck, vom Fahrradbüro der Stadt.

Eine Promenade macht noch keinen Sommer!

Matthias Wüstefeld vom ADFC wollte wissen, warum die Information der Verkehrsteilnehmer auf der Wolbecker Straße, zur Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht, nur mit sehr kleinen Schildern erfolgt ist, er würde fast täglich von unwissenden Autofahrern angehupt, die ihn auf den Radweg verweisen?

„Wir haben aus der Situation an der Wolbecker Straße gelernt und werden künftig viel prominenter auf die Aufhebung der Benutzungspflicht hinweisen, damit solche unschönen Begleiterscheinungen möglichst vermieden werden“, so Phillip Oeinck vom Fahrradbüro.

Velorouten erfüllen oft nicht den Standard von Radschnellwegen

Manfred Döpper versprach zum Schluss der Gesprächsrunde, dass der ADFC gerne mit allen und insbesondere mit dem Fahrradbüro zusammenarbeiten wird, damit das Fahrrad weiter seinen Stellenwert als Verkehrsmittel und seinen Beitrag zur Verkehrswende in der Stadt ausbaut. Der bisherige Dialog mit den Vertretern der Stadt stimme ihn da sehr optimistisch. Vielleicht schafft es Münster dann in 2022 oder spätestens 2024 wieder den ersten Platz beim ADFC Fahrradklimatest zurück zu gewinnen!


Stellungnahme der ADFC Fachgruppe Radverkehr

Die Radfahrenden schauen vermehrt kritisch auf die Radverkehrsinfrastruktur. Da der Radverkehrsanteil in Münster zugenommen hat wird es zunehmend enger auf den überwiegend immer noch benutzungspflichtigen Radwegen. Schnell Radfahrende gehören auf die Fahrbahn, um langsamer fahrende und zu Fuß gehende nicht zu gefährden. An der Wolbecker Straße wurde ein Anfang gemacht, es braucht aber auch vielerorts noch bauliche Veränderungen, auch um die weiterhin hohen Unfallzahlen endlich zu senken. Warnwesten allein reichen nicht und Helme mildern allenfalls die Unfallfolgen.

In den letzten zwei Jahren seit dem letzten Fahrradklimatest haben wir schon den Eindruck, dass Münster mehr für den Radverkehr tut. Ob es sich um Fahrradstraßen nach neuen Qualitätsstandards handelt oder die Velorouten, die leider unterhalb des Radschnellwegestandards bleiben und somit auch keine Förderung vom Land oder Bund erhalten. Das Fahrradbüro ist mit inzwischen 5 Stellen besetzt, erfreulicherweise auch mit zwei Frauen, denn das Thema Verkehr und Mobilität ist allgemein zu einseitig männlich dominiert.

Seit Ende 2019 gibt es mit dem neu geschaffenen Arbeitskreis Radverkehr erstmals seit 2016 wieder einen planmäßigen Austausch zwischen Stadt und ADFC. Velorouten, Fahrradparken und Fahrradnetzplanung sind nur einige Themen, die dort besprochen und erarbeitet werden. Auch die Ergebnisse und Kommentare des Fahrradklimatests werden wir dort einbringen.

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Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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