Erste Schritte für die Veloroute Ascheberg-Münster - Abschnitt Thierstraße - ADFC Münsterland

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Münsterland e. V.

Erste Schritte für die Veloroute Ascheberg-Münster - Abschnitt Thierstraße

Drei Vorschläge stellte die Stadt vor. Der ADFC positioniert sich eindeutig für eine durchgehende Fahrradstraße und lehnt den Neubau eines separaten Radwegs ab.

Thierstraße
Thierstraße © Hans-Günter Ockenfels

Anfang April stellte die Verwaltung ihre Überlegungen für die Thierstraße im Ausschuss für Verkehr und Mobilität ausführlich und gut vor. Die Thierstraße ist eine 3,5 km lange, ländliche Straße zwischen Münster und dem Vorort Amelsbüren und Teil der Veloroute 8, von Ascheberg nach Münster. Sie ist aber auch eine beliebte Ausweichstrecke für den Kfz-Verkehr, um Ampelkreuzungen zu umgehen und dabei kommt es immer wieder zu teils schweren Unfällen wegen nachweislich überhöhter Geschwindigkeit. Die Stadt teilt die Straße in ihren Überlegungen in einen Nord- und einen Südabschnitt ein. Für den Nordabschnitt ist wegen des geringen Kfz-Verkehrs eine Fahrradstraße vorgesehen, für den südlichen Abschnitt macht sie drei Vorschläge. Salopp formuliert, sagt sie:

Variante 1: Wir bauen für den südlichen Abschnitt einen neuen, separierten Fuß- und Radweg mit Zweirichtungsradverkehr.

Variante 2: Auch der südliche Abschnitt soll auf ganzer Länge Fahrradstraße werden.

Variante 3: Wir machen auf dem südlichen Abschnitt nichts und schauen mal wie es auf dem nördlichen Abschnitt funktioniert.

 

Was sagen wir, der ADFC, dazu?

Wir sprechen uns deutlich für die Variante 2 aus, d. h. der nördliche und der südliche Abschnitt sollte zur Fahrradstraße ausgebaut werden. Bisher wird die Thierstraße noch von verhältnismäßig wenig Radfahrenden genutzt. Erst wenn ausreichend subjektive und objektive Sicherheit geschaffen wird, erwarten wir, dass die Route für Radfahrende attraktiv wird und viel mehr Radfahrende dort unterwegs sein werden. Damit scheidet die Variante 3 aus, denn auf ihr bleibt der Kfz-Verkehr im Süden unverändert erhalten und sorgt damit für subjektive und objektive Unsicherheit.

 

Warum sind wir gegen Variante 1, den Neubau eines separierten Fuß- und Radwegs?

Dagegen sprechen eine Vielzahl von Gründen:

  • deutlich höhere Kosten von 1,6 Mill. statt nur 110.000 Euro, dabei ist der Grunderwerb und anderes noch gar nicht eingerechnet
  • deutlich spätere Fertigstellung, frühestens 2029 statt 2026/2027
  • ein Verlust von 1.600 qm Waldfläche und 11.000 qm kostbarem Ackerland,
  • zusätzliche Versiegelung
  • eine weitere Beschleunigung des Kfz-Verkehrs der zusätzlichen Kfz-Verkehr induziert,
  • neue Konflikte zwischen Fußgehenden und Radfahrenden auf dem nur 3,0 m breiten Weg: Fußgehende fühlen sich unsicher, Radfahrende, die im Alltag zügig von A nach B kommen wollen werden ausgebremst

 

Könnte es weitere Varianten geben – z. B. einen Bürgerradweg?

Die Kosten hierfür werden im Vergleich zu anderen Bürgerradwegen deutlich höher sein. Eine öffentliche Förderung entfällt, da diese nur bei Radwegen entlang von Bundes- und Landesstraßen gewährt wird und der Radweg muss eine Mindestbreite von 3,0 m erhalten, da es sich um eine Veloroute handelt, dessen Standardbreite eingehalten werden muss.

 

Was hat eine durchgehende Fahrradstraße für Auswirkungen?

Der Kfz-Verkehr wird nur noch für Anlieger zugelassen. Für den übrigen Kfz-Verkehr stehen ausreichend Alternativrouten im Hauptverkehrsstraßennetz zur Verfügung, die teilweise sogar schneller, teilweise nur ein bis zwei Minuten mehr Fahrzeit beanspruchen. 

Für Anlieger verlängert sich die Fahrzeit um max. drei Minuten, weil die Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h verringert wird. Wir meinen, das ist hinnehmbar.

Radfahrende erhalten für ihre alltäglichen Wege eine Route mit ausreichender Breite, wenig Störungen und einer direkten Führung, die alles in allem eine kurze Reisezeit verspricht. Es ist ausreichend Platz für E-Pedelecs, Lastenräder, Anhänger und Nebeneinanderfahren auch im Begegnungsverkehr.

Es wird übrigens eine sogenannte „Fahrradstraße Basis“ ausgeführt, also ohneRoteinfärbung, nur mit rotem, seitlichem Streifen, Piktogrammen und Schildern. Das ist Standard im Außenbereich und spart Kosten.

Ideal wäre es, wenn die neue Fahrradstraße, für die nur eine Anlieger-frei-Regelung vorgesehen ist, auch einen modalen Filter erhält. Modale Filter verhindern die Durchfahrt von Kfz-Verkehr. Das können zusätzliche Verkehrszeichen sein oder Poller oder anderes. Die Erfahrungen mit der Fahrradstraße Lütkenbecker Weg und Lindberghweg zeigen, dass eine Anliegerfreigabe wenig geeignet ist, um den Kfz-Verkehr zu verringern. Wir fordern daher, dass von Beginn an ein anliegerverträglicher modaler Filter installiert wird.

Unser Resümee: Die Variante 2, also die durchgehende Fahrradstraße, ist ein Lösung, die den Radverkehr optimal fördert, sie ist kostengünstig, schützt Wald und Ackerland und versiegelt nicht zusätzlich Fläche. Sie kann ein guter Beitrag zur Mobilitätswende und zu den Klimazielen der Stadt Münster werden, wenn dadurch Kfz-Verkehr verringert und sich zunehmend für das Rad und gegen das Auto entschieden wird.

Die Berichtsvorlage der Stadt Münster findet Ihr im Ratsinformationssystem.
www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php

Unsere Stellungnahme dazu findet Ihr hier auf der Seite zum Download.

 

https://muenster.adfc.de/neuigkeit/erste-schritte-fuer-die-veloroute-ascheberg-muenster-abschnitt-thierstrasse

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