Nächste Runde für den Kreisverkehr Von-Esmarch-Straße - ADFC Münsterland

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Münsterland e. V.

Optimierter Kreisverkehr Von-Esmarch-Straße

Optimierter Kreisverkehr Von-Esmarch-Straße © Verkehrsuntersuchung Brilon / Bondzio / Weiser

Nächste Runde für den Kreisverkehr Von-Esmarch-Straße

Der ADFC ist weiterhin gegen einen Ausbau zur Kreuzung mit Ampelanlagen und für die Optimierung des Kreisverkehrs.

Bereits 2024 wurde von der Stadt Münster der Umbau des Kreisverkehrs zum „signalisierten Knoten“ als notwendige Maßnahme vorgestellt. Von der Mehrheit der Ratsmitglieder kam daraufhin die Forderung, zusätzlich einen Kreisverkehr als potentielle und preiswertere Lösung zu untersuchen. Einen Kreisverkehr, der der aktuellen Forschung entspricht und der mehr Sicherheit schafft. Denn seit Jahren besteht hier ein Unfallhäufungspunkt. Die überwiegende Ursache ist, dass besonders Radfahrende von Kfz-Fahrenden angefahren werden, die die Vorfahrt nicht ausreichend beachten. Wegen der geringen Geschwindigkeiten blieb es glücklicherweise überwiegend bei Sachschäden und Leichtverletzten.

Das neue Gutachten eines anerkannten Ingenieurbüros liegt nun seit Anfang des Jahres der Öffentlichkeit vor und es empfiehlt, resultierend auf einer Bewertungsmatrix mit Schulnoten, ebenfalls den Umbau zu einer signalisierten Kreuzung. Dies sei die sicherste Variante. Das Credo: „Sicherheit vor Leistungsfähigkeit“. 

Wie kann der ADFC da noch anderer Meinung sein? Unsere Betrachtung ist ganzheitlicher und wirft nicht nur einen Blick auf diesen einen Verkehrsknoten, sondern auf die Sicherheit, den Verkehr und dessen Auswirkungen im gesamten Stadtgebiet. Unsere Argumentation ist folgende:

  • Die vom Gutachter und der Verwaltung präferierte Kreuzung ist für den Kfz-Verkehr leistungsfähiger und wird mehr Kfz-Verkehr induzieren.
  • Mehr Kfz-Verkehr bedeutend auch mehr Gefahr. In der Mehrzahl der Fälle ist das Auto der Hauptunfallverursacher und trägt erheblich zur Unfallschwere bei, schon wegen seiner Masse und Geschwindigkeit.
  • Es gilt also den Kfz-Verkehr zu verringern statt zu vermehren. Das führt nicht nur zu mehr Sicherheit im Stadtgebiet, es unterstützt auch den Schutz von Gesundheit, Umwelt und Klima und fördert eine nachhaltige Stadt- und Verkehrsentwicklung. 

Zugegeben, bei der Variante „Optimierter Kreisverkehr“ müssen leichten Abstriche bei der Sicherheit gemacht werden, der Gesamtgewinn an Sicherheit und Nachhaltigkeit wiegt jedoch erheblich höher. Außerdem wird dies deutlich kostengünstiger umzusetzen sein als der Komplettumbau zu einer Kreuzung.

Wie sollen denn die Menschen von A nach B kommen, wenn der Autoverkehr eingeschränkt wird? Mobilität ist ein Grundbedürfnis und muss für jede und jeden möglich sein. Kfz-Verkehr soll nicht weiter gefördert werden und, ja, in weiteren Schritten auch eingeschränkt werden. Ideal ist es deshalb, wenn Besorgungen wie Einkaufen, Kindergarten, Schule, Arbeiten und Freizeitangebote auf kurzem Weg erreichbar sind, so dass diese Erledigungen zu Fuß oder mit dem Rad machbar sind. Das geht natürlich nicht immer. Daher braucht es für das Stadtgebiet eine intelligente Kombination aus Metrobussen und Bussen, die gut erreichbar sind, schnell und pünktlich. Das Auto sollte entbehrlich werden. Deshalb begrüßen wir, dass die neuen Stadtquartiere autoarm geplant werden und Metrobusse Teil des neuen Koalitionsvertrages sind.

Der Radverkehr profitiert besonders vonder Kreisverkehrsvariante. Er hätte weiterhin fast keine Zeitverluste durch Warten, die bei der signalisierten Kreuzung erheblich wären und das bei jedem Wetter und bei jeder Tageszeit.

Nicht zuletzt: Es gibt keine absolute Sicherheit. Auch an signalisierten Knoten kommt es regelmäßig zu Unfällen. Auch deshalb setzt sich der ADFC für Sicherheit ein und wirbt bei Verwaltung, Polizei und Politik schon seit langem dafür, das Auto als Hauptunfallverursacher deutlich mehr in den Blick zu nehmen. 

Für Münster könnte das z. B. heißen: alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um Tempo 30 und Schulstraßen einzurichten sowie endlich Verkehrsflächen zu Gunsten von Fuß- und Radverkehr umzuverteilen. Die Hammer Straße, langjährige Unfallhäufungslinie besonders im Bereich der zu schmalen Hochbordradwege, könnte so kurzfristig sehr viel sicherer gemacht werden. Für solche Maßnahmen benötigt es weniger finanzielle Mittel als für einen aufwändigen Umbau des Knotens Von-Esmarch-Straße, weil nur ein geringer baulicher Aufwand erforderlich ist.

Die Stellungnahme des ADFC  findet ihr zum Download auf dieser Seite. 

Die Vorlage der Stadt Münster und das Gutachten findet ihr im Ratsinformationsystem: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2004055877

Infos zur Vorgeschichte und unserer Stellungnahme vom 06.11.2024 findet Ihr hier: https://muenster.adfc.de/artikel/kreisverkehr-von-esmarch-strasse-soll-kreuzung-werden-1

Das gezeigte Skizze des Kreisverkehrs stammt aus dem Gutachten; sie verwendet als Kartengrundlage: Land NRW (2025): Digitale Orthophotos, Geobasis NRW 2025 (dl-de/by-2-0).

Hans-Günter Ockenfels, Fachgruppe Radverkehr

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